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Gaisburger Schlachthof von Christine Lehmann: Geschäfte mit Doping und Schlankmachern

Ich konnte mich nach der Lektüre des Krimis "Gaisburger Schlachthof" von Christine Lehmann nicht erinnern, schon einmal ein so sorgfältig recherchiertes, thematisch zeitloses und dennoch brandaktuelles Thema in einem deutschen Krimi gelesen zu haben. Kombiniert mit dem der Autorin eigenen Lust am wortschöpfenden Schreiben bietet das Buch interessante Personen, ergreifende Menschenschicksale und Hintergrundinformationen zur körpereigenen Biochemie, die jedes Fachbuch zum Thema Fettverbrennung und Doping als staubtrockene Wissenschaft erscheinen lassen.

Immer wieder provoziert die Autorin dabei mit Sätzen, die unbewusst antrainierte Denkmuster in Frage stellen: Die Abschnitte über Transsexualität und den operationstechnischen Umgang damit sind für mich der Höhepunkt des Buchs. Christine Lehmann verdient höchstes Lob für die Art, wie sie die die Beziehung der beiden Hauptpersonen entwickelt, Lisa Nerz und Staatsanwalt Weber.

Eigentliches Thema des Buches scheinen mir aber die frustrierten Individuen in einer den Menschen verachtenden, ausschließlich auf Gewinn orientierten und letztlich gleichgültig über Leichen gehenden Gesellschaft zu sein. Diese Passagen berühren so nachhaltig, dass selbst das kleine Happyend am Ende des Buchs nicht wirklich über die Geschichten der anderen Personen tröstet, deren Leben als Ergebnis von fremder Raffgier und eigener Abhängigkeit vom gesellschaftlichen Umfeld in Trümmern liegt.

Die Aktualität des Buchs resultiert aus der gründlichen Recherche: Besonders die Schilderungen aus dem Milieu der Bodybuilder zeigen Parallelen zum Doping im Radsport und anderen Leistungssportarten. Jeder Bewerber tut es, weil ohne Manipulation kein Erfolg möglich ist. Jeder der Akteure weiß, dass es gesundheitsschädlich ist und nimmt die Mittel trotzdem. Und alle, die es nehmen, sind im eigentlichen Sinn die Geschädigten. Dabei ist es egal, ob es die Frauen im Krimi mit dem Wunsch nach Vollzug des von Gesellschaft antrainierten Schlankheitsideals sind oder die Teilnehmer der Tour de France. Das wahre Geld eignen sich die Hintermänner an, die, die nach amnestie für Dopingsünder schreien, damit es hinter den glänzenden Fassaden mit dem großen Geld weitergeht.

Mir bleibt abschließend nur noch das Thema Sumo, dass die Autorin nebenbei eher mit Abneigung erwähnt. Jetzt, wo sich in der aktuellen Makuuchi-Liga nach Hawaiianern mit Mongolen, Russen, Letten, Esten und Bulgaren bereits viele Ausländer erfolgreich zeigen und Riesa sich zur deutschen Hochburg des Sumo gemausert hat, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der erste Deutsche dort auftaucht. Aber das ist ein anderes Thema.

Christine Lehmann
Gaisburger Schlachthof
Ariadne Krimi 1167
ISBN 978-3-88619-897-9


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