In der Programmvorschau untergegangen: Yes
abgelegt im Archiv Top oder Flop am 31.08.07
In den Beiträgen rund um die Notwendigkeit oder Überflüssigkeit von gedruckten Fernsehzeitungen in Bezug auf den Beitrag von Eike hatte ich noch selbst geschrieben:
"Einfach hinsetzen und zappen, dann findet sich das Fernseh-Highlight, das man selbst übersehen hat: Vergangene Woche war das "The Commitments" bei Tele5, nur so als Beispiel."
Das ist mir gestern wieder so gegangen mit einem einzigartigen Spielfilm aus GB/USA 2004, Regie Sally Potter, in einer TV-Erstaufführung auf dem WDR mit dem unscheinbaren Titel "Yes". Muss man gesehen haben, gehört in jedes gut sortierte Videoarchiv und war einfach ein sprachliches und bildliches ereignis mit shakespare'schen Dimensionen - einfach top!
Anbei die Filmbeschreibung des Senders:
Ein Film, der seine Geschichte mitten aus den Bildern - und der Sprache - entstehen lässt. Die Welt, die Ehe, eine neue Liebe: gesehen mit den Augen der Putzfrauen. Die wahren Philosophen sind unterm Reinigungspersonal Putzfrau zu finden: sie haben den Blick dafür, dass die Arbeitgeberin unglücklich ist.
Die ist amerikanische Wissenschaftlerin aus dem nordirischen Belfast. Ihr Mann ist Brite und Politiker, er betrügt sie und will den Schein einer intakten Ehe aufrechterhalten. Sie aber trifft einen Koch, einen Libanesen, der in Beirut Chirurg war. Die Begegnung der Kulturen wird zur Verfallenheit, das gegenseitige Prüfen stürzt kopfüber in die Liebe; wenn die sonst bloße Behauptung ist, wird sie hier die Erweckung zum Dasein, zur Fantasie und Schöpfung.
Jedes Bild, jede Figur wird zum Ereignis. Natürlich bleibt keine Liebe ohne Krise: der "Middle-East-Man" entwickelt gegenüber der Mittelstandsamerikanerin seine Profilneurose, die Weltereignisse werfen einen langen Schatten auf ihre Geschichte, und seine Religion steht der Sehnsucht nach Liebe und Sex im Wege. Doch das Ende ist verheißungsvoll, sonst hieße der Film wohl "No" und nicht "Yes".
Die ironische Distanz liefert nicht allein das Küchenpersonal, das ständig auf Beobachterposten ist, sondern die Sprache. Sie ist direkt von Shakespeare abgeleitet: fünffüßige Jamben. Die Übertragung ins Deutsche ist eine aufwendige und mitreißende Sache.

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Tags: Programmvorschau WDR
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