Es gibt zwei Kriterien, nach denen ein Handy gewählt wird – technische Details und Aussehen. Wenn es bei einem Handy nur um das Telefonieren ging, dann wäre der Test schnell zu Ende gewesen. Ja, das LG KF750 Secret ist gut zum Telefonieren geeignet. Akku aufgeladen, SIM-Karte eingelegt und fertig. Die mitgelieferten Klingeltöne? Naja, Schwamm drüber. Es ist aber einfach, eine Mp3-Datei zu wählen und die über das Menü mit "Verwenden als" zum Standardklingelton zu machen – zumindest für eines der vorbereiteten Profile. Diese Profile sind praktisch. Bei Einstecken der Freisprechanlage, die beim Secret In-Ear-Kopfhörer mit drei unterschiedlich großen Adaptern enthält, schaltet das Phone automatisch in den passenden Modus.
Das LG KF750 Secret ist ein Slider-Handy aus der Black-Label-Serie, hervorragend verarbeitet, ultraflach mit schwarzem Carbon-Gehäuse und kratzfestem Glas vorn und hinten. Ein polierter Rahmen, metallische Tasten im unteren Bereich und eine zentrale Menü-Taste im Navigationsbereich unter dem Display bieten einen edlen Blickfang. Das Gerät liegt gut in der Hand, der Slider hinterlässt keine Spuren am Gehäuse, wie das z.B. beim Venus der Fall war. Gut, Fingerabdrücke müssen auf der polierten Oberfläche einkalkuliert werden. Wer also nach dem Aussehen entscheiden möchte, das Secret ist ein Lifestyle-Handy, das optisch eine sehr gute Figur macht. Wenn die blauen Lichter der Menüsteuerung im berührungsempfindlichen Touchpad nach dem Entsperren angehen, hat das Gerät sogar etwas Außerirdisches.
Dennoch gibt es Nachteile: Die kratzfeste Oberfläche reflektiert – es ist so nahezu unmöglich, bei hellem Sonnenlicht das Display zu erkennen. Fotografieren am Strand? Sicher nur mit einem Handtuch als Schattenspender auf dem Kopf. Aber dieses Problem haben Digitalkameras ohne Sucher auch.
Die technische Seite des Secret beeindruckt wie das Viewty mit den Fähigkeiten der Kameras: Digitalkamera (max. Auflösung) 2592×1944 (5.0 Megapixel), Autofokus, LED-Blitz, max. Auflösung von Videos 640x480Pixel (DivX), Videoaufnahmelänge nur durch Speicher begrenzt. Die zweite Kamera liefert 640x480Pixel. Das Display ist mit 240×320 Pixel und Displaydiagonale von 2,4" für die Lifestyle-Anwendungen ausreichend dimensioniert. Mit einem speziellen Kabel können die DivX-Videos direkt am Fernsehgerät wiedergegeben werden – unübertroffener Spaß nach jeder Party. Die Bedienung der Kamera einschließlich des Umschaltens zwischen Foto und Video erfolgt nach dem Wechsel in den Kameramodus mit den dann rechts angeordneten Navigationsbereich und der Auslösetaste – schnell erlernt und dann sicher bedient.
Die ersten erwähnenswerten Details fallen schon beim Einlegen des Akkus auf. Im Gegensatz z.B. zum LG KU900 Viewty und zum LG KF600 Venus liegen sowohl der Einschub für die SIM als auch der Einschub für die mit 4 GB großzügig bemessene SD-Karte nicht unter dem Akku, sondern sind direkt unter der Klappe angeordnet. Im Test habe ich dem Secret – ohne es auszuschalten – mal die eine und mal eine andere SD-Karte untergeschoben. Das ging tadellos und das Gerät hatte seinen ersten Pluspunkt. Warum aber beim den im Verhältnis zum Preis des Geräts nahezu billigen SD-Karten keine Karte zum Standard gehört? Eine Erweiterung des internen Speichers ist notwendig, für multimediale Inhalte ist der interne Speicher mit 100MB den "wichtigen Dingen" vorbehalten. Ich höre im Zug gern Hörbücher, die ich mir vor der Reise einfach aufspiele. Um USB-Modus geht das tadellos und schnell. Allerdings stört mich beim Anschließen des Kabels die Abdeckung, die bei belegter Buchse absteht. Andererseits erinnert diese Abdeckung nach dem Entfernen des Kabels auch daran, die Abdeckung wieder zu schließen. Solche technischen Details wie die Akkulaufzeit haben mich weniger interessiert. Der Akku ist erfahrungsgemäß immer dann leer, wenn man am wenigsten damit rechnet. Das Aufladen ging allerding überraschend zügig.
Bleiben wir bei den Erfahrungen im Umgang mit dem Handy. Nach der ersten Euphorie über das Design, das spacige Aussehen der Bedienelemente und die angenehm großen Tasten wurde es erst einmal chaotisch. Zum Telefonieren Slider hoch oder nicht? Die Bedienung des Handys biete so viele Möglichkeiten, dass es einige Zeit braucht, um einen bevorzugten Weg zu wählen. Im "Normalzustand ist das Secret kein Touchscreen-Handy im eigentlichen Sinne. Beim Druck auf die zentrale Taste auf der durchgehenden Oberfläche wird zunächst sichtbar, dass unter dem Gals zwei Bereiche angeordnet sind – oben das Display und unten ein berührungsempfindlicher Bereich mit 6 "Tasten". Verwirrend ist schon hier, aber auch an anderer Stelle, dass die "Aufforderung" im Display steht und die Handlung selbst mit den Tasten auf dem berührungsempfindlichen Teil darunter erfolgen muss. Z.B. ist zum Entsperren ein Druck auf die zentrale Taste im Display und ein anschließender Druck auf 'Ja' nötig, allerdings nicht da, wo 'Ja' steht, sondern darunter. Dafür reagieren die Tasten auf dem berührungsempfindlichen Teil auf die leiseste Berührung zutraulich mit einem Schnurren.
Einfacher ist das Gerät aber über die Tastatur zu bedienen. Nach dem Aufschieben des Sliders ist das Telefon entsperrt. Dann stellt sich schnell eine vergnügliche Bedienung über Tastenfeld, zentraler Taste auf dem Display (Menü/OK) und den Tasten auf dem berührungsempfindlichen Teil ein. Diese Bedienung ist intuitiv und schnell erlernbar.
Ganz verrückt wird die Sache, wenn das so genannte Fingerpad mit Hilfe einem eigens dafür vorhandenen Schalter auf der rechten Seite des Handys eingeschaltet wird. Dann geht das Handy in den Touchscreen-Modus und stellt den Zugriff und die Steuerung für Musik, Foto(ansicht) Dokumente und Radio bereit. Außerdem kann der Zugriff auf eine Gruppe Speile (M-Toys) erfolgen, die allesamt auf die Fähigkeiten des Lagesensors gebaut sind. Das ist witzig und macht selbst in der einfachsten Variante Spaß. Der Lagesensor kommt übrigens auch im Fotoansichtmodus zum Einsatz: Durch Drehen des Handys kann die Ansicht von Hoch auf Quer und umgekehrt geändert werden. Leider funktioniert das Ganze nicht im Browser – schade, aber wohl eine Frage der Zeit.
Fazit
Das Secret offenbart seine Geheimnisse zurückhaltend im täglichen Gebrauch. Aussehen und technische Funktionalität sind Top. Das Gerät ist geeignet für alle, die gern die technischen Möglichkeiten in Reserve haben, die in einem schicken Gerät verpackt sind. Die verschiedenen Bedienmodi und Menüführungen sind nur anfänglich etwas verwirrend, dann überwiegt der Vorteil, für jeden Handyeinsatz eine typische Bedienung zu verinnerlichen.
Schwerpunkte für den Einsatz des Handys sind nach meiner Meinung neben dem Telefonieren das Hören von MP3-Dateien, das Radio und die Spiele, die mit dem integrierten Lagesensor ein Highlight sind. Das Fotografieren und das Aufnehmen von Videos lassen kaum Wünsche offen, wenn die Funktionen schnell abgerufen werden müssen. Dabei ist die schnelle Umschaltung in den Fotomodus ein Vorteil des Geräts z.B. gegenüber dem Viewty, das dafür wesentlich länger braucht. Surfen außerhalb der WAP-Seiten ist nicht die Stärke des Geräts, mal eben ein YouTube zwischendurch aber schon. Und. es gibt für den Anwender sicher noch viel mehr Details zu entdecken, wenn er das Gerät längere Zeit in der Praxis nutzt. Have a Secret, have a lot of fun!
[Datenblatt bei Areamobile]
KF750 Secret im LGBlog
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