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Lesen statt Fernsehen
von Jörg Schumacher am 22.10.09

Allerdings geht sie nach meinem Empfinden beim aufgeworfenen Thema nicht weit genug. Nach allen aufgedeckten Übeln rund um so genannte Inobhutnahmen und der geschickten Frage zum deutschen Sorgerecht:"Worum geht es da wirklich? … Wer verdient daran?"scheut sie die letzte Konsequenz und reißt mit den Tätern das nächste Feld auf, dem Lisa Nerz und Staatsanwalt genauso hilflos gegenüberstehen wie der Leser. Dabei hätten die Täter durchaus aus dem gut betuchten und verbeamteten Umfeld kommen können, denn ab einer gewissen Gewinnerwartung gibt es in der Realität kein Verbrechen, was nicht dafür begangen würde. Dennoch ist die Geschichte spannend und die aus den andern Büchern der Reihe gut bekannten Personen erhalten neue Züge – vor allem der sonst so korrekte Staatsanwalt. Die Figur Lisa Nerz, selbst kinderlos und finanziell unabhängig, gibt konsequenterweise einige intellektuelle Überheblichkeiten zum Thema Hartz IV und zu kinderreichen Frauen zum Besten. Da Frau Lehmann diese unwidersprochen lässt, scheint mir hier die Meinung der Autorin durchzuschimmern, die immer dann ihre Schwächen hat, wenn sie ein gründlich recherchiertes Gebiet verlässt. Das soll aber kein Grund sein, das Buch nicht zu lesen: Es ist des Lesens wert.
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Wong
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