Mit Teufelsg'walt – Christiane Lehmann lässt Schwabenreporterin Lisa Nerz leben
abgelegt im Archiv Lesen statt Fernsehen am 22.10.09

Urlaub in der Ferienwohnung im Wangerland, kein Internetanschluss und nur das täglich normale Fernsehprogramm. Alternative: Lesen statt Fernsehen. Es traf sich, dass grad wieder zwei Ariadne-Krimis eingegangen waren. Einer davon war der achte Schwabenkrimi um Lisa Nerz "Mit Teufelsg'walt" von Christine Lehmann. Ich mag Krimis von Frau Lehmann, die zwischen spitzwortigen und mörderischen Szenen immer wieder Interessantes vermitteln und zeigen, dass die Zusammenhänge gut recherchiert sind. Einen guten Gegenwartskrimi zeichnet aus, dass er zwar Fiktion ist, Handlung, Täter, Gegenspieler und Lokalkolorit aber glaubwürdig sind. Diesen meinen Anspruch konnte Christine Lehmann diesmal erreichen, anders als im eher utopisch anmutenden Krimi "Nachtkrater".
Allerdings geht sie nach meinem Empfinden beim aufgeworfenen Thema nicht weit genug. Nach allen aufgedeckten Übeln rund um so genannte Inobhutnahmen und der geschickten Frage zum deutschen Sorgerecht:"Worum geht es da wirklich? … Wer verdient daran?"scheut sie die letzte Konsequenz und reißt mit den Tätern das nächste Feld auf, dem Lisa Nerz und Staatsanwalt genauso hilflos gegenüberstehen wie der Leser. Dabei hätten die Täter durchaus aus dem gut betuchten und verbeamteten Umfeld kommen können, denn ab einer gewissen Gewinnerwartung gibt es in der Realität kein Verbrechen, was nicht dafür begangen würde. Dennoch ist die Geschichte spannend und die aus den andern Büchern der Reihe gut bekannten Personen erhalten neue Züge – vor allem der sonst so korrekte Staatsanwalt. Die Figur Lisa Nerz, selbst kinderlos und finanziell unabhängig, gibt konsequenterweise einige intellektuelle Überheblichkeiten zum Thema Hartz IV und zu kinderreichen Frauen zum Besten. Da Frau Lehmann diese unwidersprochen lässt, scheint mir hier die Meinung der Autorin durchzuschimmern, die immer dann ihre Schwächen hat, wenn sie ein gründlich recherchiertes Gebiet verlässt. Das soll aber kein Grund sein, das Buch nicht zu lesen: Es ist des Lesens wert.

Tags: Ariadne Lehmann Alternativ Lesen
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