
Gegenwärtig reise ich nicht so viel. Das ist so schlecht nicht, hat aber den Nachteil, dass meine Leseleidenschaft etwas kurz kommt. Deshalb habe ich auch einige Zeit gebraucht, um den Krimi von Martin Edwards, Tote schlafen nicht, zu Ende zu lesen. Und das lag nicht am Buch, das war von der ersten bis zur letzten Zeile interessant und spannend.
Ein erfolgreicher Historiker und seine neue Liebe erwerben in der Heimat des Mannes, dem im Buch liebevoll gezeichneten Lake District ein Haus, in dem ein angeblicher Mörder gewohnt hat. Dass der als Mörder Bezeichnete nicht als solcher in Frage kommt, ist von der ersten Zeile klar. Beim Wühlen in der Vergangenheit aber öffnen sich Abgründe, die jahrelang verborgen waren. Alles bisher klar erscheinende wird in Frage gestellt neu bewertet und vage neu beantwortet. Der Wert des buchs liegt im Erkenntnisgewinn der Figuren im Ringen um ihre Identität, in den beschriebenen zwischenmenschlichen Beziehungen und im entstehenden Spannungsbogen zwischen den Hauptakteuren. Wie der Leser den Ausgang des Buchs wertet, hängt sicher von seiner Sympathie mit den Handelnden ab. Ich fand das Ende vage genug, um mir eigene Gedanken zu machen.
Lübbe, ISBN: 978-3-404-15710-5 (3-404-15710-9)
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